VORWÄRTS - Zum 40. Gründungstag des
Singeklubs Maxhütte Unterwellenborn

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EPILOG und
Erinnerung

Wie es danach weiterging...

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Den Sommer und Herbst 1984 über hatte Migo Ruhe im Kulturhaus und ging seiner Tätigkeit als Verantwortlicher für die Zirkelarbeit nach. Bernd wurde
von Saalfeld nach Eisenberg versetzt und hätte, wie Monika auch, dem Klub nicht mehr zur Verfügung stehen können. Im Kulturhaus war seit längerer
Zeit die Stelle des künstlerischen Leiters nicht besetzt und Migo bewarb sich um diese. Die BGL in Gestalt ihres Vorsitzenden Siegfried Schlüter, dem
das Kulturhaus eigentlich unterstand, führte mit dem Kulturhausleiter und Migo ein längeres Gespräch und Migo sollte daraufhin künstlerischer Leiter
werden. Er hatte von 1978 bis 1982 ein Fernstudium der Kulturwissenschaft absolviert und brachte die entsprechenden Voraussetzungen mit. Nun war
aber im Kulturhaus die Stelle des künstlerischen Leiters - völlig unsinnigerweise übrigens - immer mit der Leitung des Maxhüttenensembles verknüpft.
Und von dieser Seite regte sich sofort Widerstand. Man fürchtete, ein ehemaliger Singeklub-Fuzzi würde das althergebrachte Ensemble aufmischen und
womöglich gar umgestalten wollen. Da im Chor eine Mitarbeiterin der SED-Kreisleitung sang, die zudem noch Abteilungsleiterin Kultur war und dem Agit-
Prop-Sekretär unterstand, wurden also Seilschaften aktiv und plötzlich stand wieder die Forderung nach der "sozialistischen Hilfe" im Raum. Im Dezem-
ber mußte Migo, ob er wollte, oder nicht, an die Kombinierte Formstahlstraße. Aus der BGL hieß es, nach dem Vierteljahr würde man weiter sehen...

Als Migo in der Kaderleitung anrief, wann der Vierteljahresvertrag unterschrieben werden sollte, sagte man ihm, daß unter einem halben Jahr gar keine
Verträge ausgefertigt würden und der Vertrag, der ihm schließlich vorgelegt wurde, war für ein ganzes Jahr vorgesehen. Man sagte, er müsse Verständ-
nis haben, denn nur so könne er eine qualifizierte Tätigkeit ausüben und müsse nicht den Dreckbadddel machen... Migo unterschrieb, ging an die KFS
und merkte, daß man dort richtig Geld verdienen konnte - anders, als im Kulturhaus. Das brachte ihn schließlich dazu, nach einem Jahr den Vertrag zu
verlängern. Schon zu Kulturhauszeiten hatte Migo nebenbei auch den Singeklub der BBS angeleitet und war hin und wieder mit ihm aufgetreten. Die
BBS hatte sich Mitte 1985 auch wieder gemeldet und angefragt, ob er diese Tätigkeit weiter ausüben würde. Migo tat dieses und so gab es, wenn schon
keinen Singeklub Maxhütte, so doch einen solchen der BBS, der regelmäßig zu Lehrlings-Kulturwettbewerben auftrat und dort auch immer gut abschnitt.
Hinzu kamen wenige andere Auftritte im Betrieb zu verschiedenen Anlässen.

Außerdem war Migo ja auch noch Leiter der Bezirksberatergruppe. 1986 waren im Singeklub der BBS zwei Mädchen, von denen die eine, Kirsten
Wiederhold
, Tochtes des einstigen Musiklehrers von Migo war. Die Mädchen konnten sehr gut singen und Migo überredete Thomas, doch ein ge-
meinsames kleines Liedprogramm einzustudieren. Es wurde zweimal geprobt, und zur Bezirkswerkstatt 1986 trat die Gruppe mit einem Programm auf.
Außerhalb jeglicher Wertung und mit der Absicht, Spass zu verbreiten. Zur Gruppe hinzugesellt hatten sich Reinhard Hofmann und Jochen Langrock,
beide ebenfalls Mitglieder der Beratergruppe und Imke Wiederhold, Schwester von Kirsten, die Geige spielen konnte und sang. Der Auftritt war Gaudi
von Anfang an und einige Titel von diesem 31. Mai 1986 sind auch auf der Hörprobenseite abrufbar.

Ende 1986 wurde Migo dann für ein Jahr in des Organistationsbüro des Deutsch-Sowjetischen Jugendfestivals, das im Mai 1987 in Gera stattfinden
sollte, delegiert. Im Sommer '86 war der ehemalige Wismut-Singeklub von der FDJ-BL als Fördersingeklub des Bezirkes Gera übernommen worden.
Eigentlich wollte der Klub Migo als Mitglied, aber das war diesem ein wenig zuviel Arbeit, worauf man sich schließlich auf eine Beratertätigkeit einigte.
Migo hatte Thomas in die Bezirksberatergruppe geholt und beide bereiteten nun den Geraer Singeklub "Fusion" auf das Festival vor. Sie stellten,
solange "Fusion" noch keine eigene Anlage hatte, dem Klub die Technik des Maxhüttenklubs leihweise zur Verfügung und führten den Klub innerhalb
von wenigen Monaten auf ein durchaus hohes künstlerisches Niveau, wobei besonders Thomas Fleischer anerkennenswerte musikalische Arbeit
geleistet hatte. Thomas und Migo waren danach noch weiterhin in der Beratertätigkeit aktiv und traten 1988 ein letztes Mal zur Bezirkswerkstatt in
Hummelshain auf. Zusammen mit einigen Soldaten des Singeklubs der Bereitschaftspolizei Rudolstadt wurden ein paar Rocktitel mehr aus Spass
umgeschrieben und im Rahmen eines Abendprogramms als lustige Einlage aufgeführt. Die Bezirkswerkstatt 1989 war schon keine richtige mehr, denn
seitens der FDJ-BL schlief die Singeklubarbeit mehr und mehr ein.

Migo arbeitete weiter in der KFS, war inzwischen Schicht-Brigadier in der Adjustage und ein halbes Jahr auch als Meister in Vetrtretung tätig. Mehrmals
hatte er versucht, wieder in den Kulturbereich zurückzukehren, was aber nie gelang. Als er 1987, nach seiner Rückkehr aus dem Geraer Org-Büro
wegen einer anderen Sache ein Gespräch mit dem Betriebsdirektor Engel hatte und ihn auch auf das Thema Kulturarbeit ansprach, erklärte Engel, daß
es keine Möglichkeit gäbe. Aus der BGL habe man mitgeteilt, daß irgendetwas vorliege, daß Kollege Goschütz nicht wieder im Kulturhaus arbeiten
könne. Migo verstand es nicht - bis zum 30. Juni 1989. An diesem Tage erzählte ihm Brigitte Weggässer, deren Tochter zusammen mit Migos großer
Tochter die Schule abschloß, auf dem Abschlußball, was 1984 nach den Arbeiterfestspielen gelaufen war. Der in seiner Ehre tief gekränkte Sekretär für
Agitation und Propaganda hatte den Zoff mit dem Singeklub nicht ad acta gelegt und die Goldmedaille war für ihn eher noch Ansporn, seine Macht zu
zeigen. Mit den Worten "Der Kerl muß wieder in die Produktion, damit er aufhört, dummes Zeug zu schreiben!" verfügte er Migos Versetzung in
die KFS und erließ zugleich ein Verbot, Migo jemals wieder im Kulturbereich arbeiten zu lassen. Und wie aus neuesten Erkenntnissen hervorgeht, war es
auch jener Funktionär, der an Bernds Versetzung nach Eisenberg ebenso eine Aktie hatte, wie an den Schwierigkeiten, mit denen sich Thomas auf
seiner Arbeit herumschlagen mußte.
Und damit endet die Geschichte des Singeklubs Maxhütte nun wirklich...

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