SINGEKLUB MAXHÜTTE UNTERWELLENBORN
Die ständige Internet - Plattform - Geschichte und Aktuelles
Die Jahre 1980 - 81
Zurück zur Startseite Zum Abschnitt 1982 - 1984
Nacholympische Zwischenlandung
1980 Die Kreiswerkstatt im Februar in Gorndorf war der erste größere Auftritt des Singeklubs Maxhütte in diesem Jahr. Zwar kamen die neuen Titel, wie z.B. "Die wilde Lola" recht gut an, bemängelt wurde jedoch von Publikum und Beratergruppe die zu hohe Lautstärke - wir erinnern uns an Fer- dinands "Grundlautstärke".... Ferdinand hatte auch einen Versuch unternommen, ein Lied zu schreiben - Sein „Otto“ war die textliche Abbildung seines Berufsalltags als Kraftfahrer in der Großbäckerei. Die „Lola“ und „Angekommen - unterwegs“ sind auch beide in Aufnahmen von den Kreiswerkstatt- tagen auf der Seite mit unseren Liedern zu finden… Migo war nun auch wieder dabei, denn sowohl Bernd und Ferdinand, als auch andere Mitglieder fanden, daß er nun genug "kürzer getreten" hatte. Da abzusehen war, daß Thoma Fleischer im Mai "zur Fahne" mußte, wurde ein neuer Bassist gesucht und gefunden. Im Mai fand dann in Neustadt/ Orla die Bezirkswerkstatt statt, zu der der Klub ein Mischmasch-Programm aufführte, das kein großes Aufsehen erregte. Lediglich das Lied aus dem Mauthausen - Zyklus von Mikis Theodorakis "Die ich liebe" wurde mit einem Diplom gewürdigt. In Neustadt trennten sich dann auch die Wege zwischen dem Klub und Serjosha, der keine Zeit mehr hatte, da er sich beruflich verändern wollte. Im Sommer 1980 fand dann in Moskau die XX. Olympiade statt und der Zentralrat der FDJ hatte den Singeklub Maxhütte als Teilnehmer am Inter- nationalen Jugendlager nominiert. 10 Leute durften mit, aberder Klub bestand zu diesem Zeitpunkt auch aus kaum mehr als 14 Mitgleidern, von denen einige aus beruflichen Gründen ohnehin nicht mitkonnten. Vier Wochen war der Klub im Jugendlager und konnte eine Vielzahl von Wett- kämpfen besuchen, Erföffnungs- und Abschlußveranstaltung inclusive. Die Jungs waren in großen Zelten untergebracht, die Mädchen im festen Zentralgebäude. Besuche der Mädchen in den Zelten waren erlaubt - auf die Zimmer durften die Jungs nicht. Seltsame olympische Regeln... Der Klub hatte während der ganzen vier Wochen eigentlich nur einen bedeutenden Aufritt : Das "Nationale Kulturprogramm der FDJ". Es war vorgeschrieben, daß keine politischen Inhalte über die Bühne gehen durften. Ferdinand, Migo, Angelika und Udo Knabner hatten sich mit der Delegation der Irischen Jugend angefreundet und viel Zeit auch bei Diskussionen mit ihr verbracht. Klar, daß man sich nicht an die Regeln hielt - und viel Beifall vom internationalen Publikum bekam, am lautesten von den Iren. Ausserdem hatten sie den Segen der ´Delegationsleitung. Die Russen fühlten sich reingelegt und setzten durch, daß der Singeklub nicht im Abschlußprogramm des Jugendlagers auftreten durfte. Als es soweit war, goß es wie aus Kübeln - und der Klub war froh darüber, daß er nicht auf der nassen Freilichtbühne herumturnen mußte. So hatte das Auftrittsverbot auch seine gute Seite... Nach Moskau verließen Specki und seine Frau Angelika den Klub aus familiären Gründen. Da Detlev das Singen aber nicht ganz aufgeben wollte, schloß er sich kurze Zeit darauf dem Chor des Maxhüttenensembles an, dem er noch lange Jahre angehörte. Der Klub dümpelte genaugenommen in den folgenden Monaten vor sich hin. Es wurde viel diskutiert, was man machen könnte, sollte, wollte, müßte etc., aber ein richtiges Ziel gab es nicht. Migo schrieb einige Texte, Ferdinand ebenso und es wurde geprobt und hin und wieder auch aufgetreten, aber irgendwie war einfach der Wurm drin ...
KINO gucken…
Ein Filmchen mit Bildern aus Berlin und Moskau
Die DDR-Delegation und ihre Gastgeber
1981 Merkwürdigerweise gibt es aus diesem Jahr fast keine Aufzeichnungen oder Fotos. Hier helfen nur Erinnerungen weiter... Fest steht, daß anfangs noch regelmäßig geprobt wurde - meist an den altenLiedern, kaum an neuen. Die Bezirkswerkstatt sollte Ende April oder Anfang Mai in Gera stattfinden - zusammen mit dem Pfingst- treffen der FDJ. Mitte März kam es während einer Probe im Foyer des Kulturhauses zu einer endlosen Diskussion um Inhalte und Formen der weiteren Arbeit, in deren ErgebnisFerdinand erklärte, nicht weiter machen zu wollen und sich aus dem Klub zurückzog. Die anderen wolltenauch nicht so richtig - und so rief Migo am nächsten Tag in der FDJ-BL an und teilte die Auflösung des Maxhüttenklubs mit. Das wollte man nicht glauben, zumal Migo anfügte, man würde überlegen, was manmachen wolle ... Zu Bezirkswerkstatt und Pfingstreffen trat aber kein Singeklub Maxhütte auf.
Wenn Ferdinand auch aus dem Klub ausgetreten war, hatte er dennoch weiterhin ein gutes Verhältnis zu allen. Seit längerer Zeit war vorgesehen, daß er aus seinem bisherigen Betrieb in das Kulturhaus als Jugendklubchef wechseln sollte - er hatte auch bereits einen mündlichen Arbeitsvertrag, der jedoch aus schleierhaften bis fadenscheinigen Gründen seitens des Kulturhausleiters und der BGL der Maxhütte nicht aufrechterhalten wurde. Anfang Juni stand fest, daß er definitv nicht im Kulturhaus anfangen würde - bekam aber vom Arbeitsgericht für einen Monat Gehalt zugesprochen wegen des mündlichen Arbeits- vertrages. Er besuchte Migo desöfteren und immer wieder kam die Frage auf, ob man nicht wieder gemeinsam etwas machen könne - die Frage blieb ungeklärt, denn bis zum Sommer war noch nicht klar, ob und wie es mit dem Singeklub weitergehen würde.
Ferdinand hatte uns eine, wenn auch nur kurze, Zeit lang begleitet. Er war Egozentriker durch und durch und hatte uns oft zum Lachen gebracht. Er konnte Chaos verbreiten wie kein Anderer, aber irgendwie hat man ihm das immer verziehen. So egozentrisch er auch war - immer wenn man seine Hilfe brauchte, war Ferdinand da und half. Vielleicht haben wir ihn oft nicht verstanden und nur selten ließ er durchblicken, was er im Grunde seines Herzens fühlte, was er dachte. Er ist uns, die wir ihn kennenlernen durften, aber im Gedächtnis geblieben - und wir vermissen ihn.
Auch privat lief es für Ferdinand nicht so richtig gut - er hatte Beziehungsprobleme, ein Haus-Ausbau klappte auch nicht so richtig ... und am 19. Juni 1981, wohl aus einer Kurzschlußreaktion heraus, nahm er sich das Leben. Alle, die ihn gekannt hatte, waren geschockt und konnten es sich nicht erklären, warum Ferdinand so aus dem Leben geschieden war. Es wurden Fragen gestellt, die bis heute nicht beantwortet sind…
Bis Anfang September ruhte die Arbeit im Singeklub - dann traf man sich wieder regelmäßig. Thomas Fleischer war aus Berlin zurückgekehrt, wo erseinen Armeedienst abgeleistet hatte - und brachte von dort seine Frau Heidi mit, die Lehrerin war und über Stimme und exquisite Singekluberfahrung verfügte.Hinzu kamen von der BBS der Maxhütte Sylvia Böhnke und Beate Förster, aus der Maxhütte Wolfram Tausendfreund und Matthias Oßwald, aus dem Kreiskabinett für Kulturarbeit Rolf Wegässer, sowie Ingo Butler, von einer Kollegin Heidis der Sohn, der noch zur Schule ging und fortan das Schlagzeug bediente, da Udo Klinger nun auch zur Armee mußte. Zunächst wurde an älteren Liedern gearbeitet und solchen, die in der Singebewegung grade "en vogue" waren, aber schon bald ging man daran, auch wieder eigene, neue zu erarbeiten, die Migo geschrieben hatte und von Matthias, der über ein schier unglaubliches Talent verfügte, am Klavier Musiken für den Klub zu schreiben, vertont wurden. Nach der Pleite im Frühjahr ging es nun wieder aufwärts mit dem Singeklub Maxhütte. Und es gab auch wieder ein Ziel: Zur Werkstattwoche 1982, die in Gera stattfinden sollte, wurde ein neues Maxhüttenpro- gramm anvisiert. Mehr Tiefgang sollte es haben, mehr Probleme sollten angesprochen werden. Nicht mehr Hütteneinerlei sondern auch ein Blick hinter die Hüttenkulissen…
Zwei Liedtexte von Migo, die allerdings nie zu Liedern wurden … sie waren „zu früh“ für ihre Zeit ...