SINGEKLUB MAXHÜTTE UNTERWELLENBORN
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Das Jahr 1969
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Auf eigenen Füßen stehen…
Der 1968 von Jochen, Migo und Wolfi gegründete Klub war über das Jahr zu einer stabilen Gruppe geworden. Zu den ersten "Neuen", die im März 1969 nach der ersten Singeveranstaltung im Kultur- haus mit der Gruppe “pasaremos” in den Klub kamen, hatten Frank "Mullei" Müller, Wolfgang Hammerschmidt, Uschi Patzer, Erika Liebscher, Ingrid und Elke Wilke, Horst Wieske und Martina Zebisch gehört, um nur einige zu nennen. Nach der Werkstattwoche war dann auch Detlef "Specki" Kämmer zum Klub gestoßen. 1969 stand der Klub bereits zu Jahresbeginn vor großen Aufgaben… 1949, hatten FDJ-ler im ersten Jugendaufgebot der DDR unter schwierigsten Bedingungen eine Wasserleitung von der Saale zur Maxhütte gebaut. Dieses Jubiläum sollte nun entsprechend gewürdigt werden und auch der Klub hatte seinen Beitrag dazu zu leisten…
Bereits im Januar hatte Migo, dem eines Nachmittags in der BBS langweilig geworden war, ein Lied geschrieben. “300 Meter nach oben” hieß es und nahm Bezug auf den 300 m langen Steilhang an der Saale bei Tauschwitz, der unter Winterbedingungen von den Wasserleitungsbauern über- wunden werden mußte. (Nebenstehend der Text der ersten Strophe und der Refarin - mehr ist davon leider nicht erhalten geblieben). Am 15. Februar dann, dem Tag des ersten Geburtstages des Klubs, wurde er, anstatt diesen Tag groß zu feiern, zum Filmdasteller in einem Film des Betriebsfilmstudios der Maxhütte. Im Musikzimmer des Kulturhauses sang der Klub, alle im Blauhemd gewandet, zur Melodie des Liedes “Entgegen dem kühlenden Morgen” ein Lied mit Text aus dem Jahre 1949 “Es wurde ein Plan uns gegeben…” über den Wasserleitungsbau. 1984 im September konnte Migo, der damals im Kulturhaus arbeitete, den Film noch vor der obersten FDJ-Prominenz vorführen - als er nach der Wende das Filmarchiv des Kulturhauses vor der Vernichtung rettete, war dieser Film allerdings nicht mehr auffindbar. Wer weiß, was aus ihm wurde… Am 1. April fand dann vor historischer Stätte am Steilhang eine Riesenkundgebung vor ein paar Tausend Saalfelder FDJ-lern und Pionieren statt, bei der der Singeklub zusammen mit der Dresdner Gruppe “pasaremos” auftrat und am Nachmittag noch einmal im Kulturpalast zur Studentenkoferenz und am Abend im Meiniger Hof in Saalfeld zu einer großen Mitsingeveranstaltung. Das war der letzte Auftritt des Klubs, ehe einschneidende Veränderungen eintreten sollten…
Zu den Fotos (v.l.n.r.): Die “Neuen” - die dann zu Beginn 1969 schon zu den “Alten gehörten… Ein Auftritt des Klubs vor Schülern der POS Unterwel- lenborn Ein Aufruf des Singeklubs in der “Volkswacht”
Textfragment von “300 Meter nach oben” Als vor 40 Jahren in unserem Land zur Stahlproduktion nur die Hütte noch stand, schmolz man in 3 Öfen das Eisen für das Brot. Doch die Hochöfen schwitzen - Max hatte Wassernot.. Refain: 300 Meter nach oben - 300 Meter sind weit. 300 Meter nach oben - in eine neue Zeit…
Jochen Lesching, Mitbegründer und Leiter des Singeklubs, war auch Leiter des Organisationsbüros zur Vorbereitung des 20. Jahrestages des Wasserleitungsbaus gewesen - und er war wohl ein sehr guter Organi- sationschef, denn bereits Mitte April verließ er nicht nur den Klub, sondern auch Unterwellenborn, weil er fortan im Zentralrat der FDJ, Abteilung Studenten, arbeiten sollte. Der Klub mußte sich jetzt selbst organisieren. Zunächst übernahm Migo zusammen mit Horst Brehm von der BBS die Organisation der Proben und Auftritte. Auch die FDJ-Leitung der Maxhütte, namentlich ihr dama- liger 1. Sekretär Peter Deistler, kümmerte sich jetzt mehr um den Klub. Peter, zudem auch Volkskammerabgeordneter in der FDJ-Fraktion, sorgte vor allem dafür, dass jetzt mehr auf die politisch-ideologische Line, die der Klub mit seinen Liedern vertrat, geachtet wurde, als auch auf das öffentlichen Auftreten seiner Mitglieder im Alltag als Lehrlinge oder Schüler. Diese selbst spürten diese Indoktrination aber eher nicht…
Zur Kreisdelegiertenkonferenz der FDJ trat der Singeklub auf und erhielt für seine bisher geleistete Arbeit für den Jugendverband auch gleich mal die Ehrenurkunde der Kreisleitung
Die “Volkswacht” berichtete immer wieder über uns…
1. April in Tauschwitz - Sauwetter, aber eine Riesen- kulisse. Und wieder gab’s eine Ehrenurkunde…
Die “Stars des Klubs: Specki, Migo, Mullei und “Schnurzer”
Neue Mitglieder gab es auch. Bernd "Ramses" Roth, “eingeborener” Unterwellenborner, war in den Klub gekommen und hatte aus der Erweiterten Oberschule Bernd Möbius und Gudrun Fleischhauer, beide mit hervorragenden Gitarrenkenntnissen, mitgebracht - hinzu kamen noch Sigrid Hocke aus Unterwellenborn und Gabi Kaiser aus Saalfeld. Im Juli nahm der Klub dann, zusammen mit dem Geraer Singeklub “Patria” an der III. Werkstattwoche in Berlin teil und erntete unter anderem mit der Eigenkomposition “300 Meter nach oben" immerhin einen Achtungserfolg. Hans-Georg Albig, Patria-Mitglied, dessen Texter und gleichzeitig Redakteur bei der “Volkswacht” sah die Entwicklung des Klubs allerdings sehr kritisch. Nachdem im Vorjahr eine ziemliche Nähe des Klubs durch die Zusammenarbeit mit Rolf Hübel zum Maxhüttenensemble entstanden war, einige Mitglieder sogar zeitweilig Chormitglieder geworden waren, hatte sich der Singeklub nach Jochens Weggang wieder von dieser Nähe zum Ensemble gelöst. Die Lockerheit der Singeklubleute, ihre auch auf der Bühne und im Umgang mit dem Publikum deutliche Spontaneität passten einfach nicht zum relativ starren Chorschema des Ensembles. Das sah auch Peter Deistler so und unterstützte den Klub dahingehend. Eine Zusammenarbeit gab es allerdings auch weiterhin mit der künstlerischen Leitung des Ensebles. Diese bestand in der Fortführung des Stimmbildungsunterrichts vor allem für die Solisten des Klubs, die sich auch weiterhin auf die hohe gesangliche Qualität auswirkte.
Zwei verschiedene Sichtweisen auf die Teilnahme des Singeklubs an der 3. Wekstattwoche der Singeklubs in Berlin …
Nach Abschluß ihrer Facharbeiterausbildung in der BBS der Maxhütte wurden Migo und Horst “Schnurzer” Wieske als Erzieher im Lehrlingswohnheim der Maxhütte übernommen. Zunächst einmal, weil ohne fach- liche Ausbildung in Form eines Fachstudiums als pädagogische Hilfskräfte. Beide verdankten dieses neue Betätigungsfeld der Tatsache, dass sie für den aktiven Wehrdienst in der NVA als “untauglich” eingestuft worden waren. Zum Beginn des neuen Lehrjahres am 1.9.1969, wo der Klub zur Feierstunde im Theatersaal des Kulturhauses auftrat, kamen als Erfolg dieses Auftritts auch wieder neue Mitglieder in den Klub. Darunter waren auch Gitarrist Wolfgang Suckow und Sängerin Karin Trautloff Migo vertrat den Klub zu dieser Zeit nach außen als dessen Leiter, was allerdings nicht allen Mitgliedern gefiel, da er durchaus auch zu Eigenentscheidungen ohne Rücksprache mit dem Klub neigte. Also wurde auf Peter Deistlers Anregung und mit seiner Hilfe ein Wochenendseminar am Stausee in einem Maxhütten-Bungalow an-gesetzt, Migo quasi ab-gesetzt und eine Klubleitung ein-gesetzt... also :gewählt. Bernd Roth wurde offizieller Leiter, Migo sein Stellvertreter und Org.-Chef, Frank Müller künstlerischer Leiter und Horst Wieske politischer Leiter. FDJ-Sekretär Peter Deistler nahm den Klub persönlich unter seine Fittiche und band den Klub in alle Aktivitäten der FDJ-Grundorganisation fest ein. Im Oktober nahm der Klub dann am "Treffen junger Sozialisten" zum 20. Jahrestag der DDR teil und bekam schließlich auch einen festen eigenen Probenraum im Kulturhaus - das Zimmer 24, ehemals das Zimmer des nicht mehr existierenden Naturkunde-Zirkels, das dann für mehrere Jahre sein Hauptquartier wurde.
Der politisch-ideologische Einfluß, den vor allem Peter Deistler auf den Klub nahm, zeigt inzwischen Wirkung. Im Oktober traten Frank Müller, Horst Wieske und Migo in die SED ein und waren fortan unter straffer politischer Kontrolle. Auch aus dem anfangs lockeren Gebilde, das sich “Singclub Maxhütte” nannte, war inzwischen ein relativ straff organisiertes Kollektiv geworden. Nach der Teilnahme am Berliner Sozialistentreffen begann der Klub sein Repertoire zu erweitern. Nach den Akkorden des Beatles-Titels “HELP” schrieb Migo ein Lied unter dem Titel “Meine Stadt” und stellte eine Liedfolge zusammen, die mit Hilfe der Maxhütten-Druckerei in einem Liederheft namens “Schublade” veröffentlicht wurde. All diese Aktivitäten dienten der Vorbereitung einer großen Singe-Veranstaltung, die im Dezember im Kulturhaus stattfinden sollte und zu der der Klub das “Wagnis” einging, das Publikum dazu frei einzuladen, denn bisher trat man meist vor einem vorhandenen Konferenzpublikum o.ä. auf. Im Dezember veranstaltete der Klub eine "Singe" im Theatersaal ein, die regen Publikumszulauf brachte. Anschließend gab es im kleinen Saal etwas für damalige Verhältnisse völlig Neues - nämlich eine DISKOTHEK. Diese neue Form von Tanzveranstaltung ohne Kapelle, dafür mit Plattenspieler und Tonband und einem “Disk-Jockey” hatte der Klub aus Berlin nach einem Besuch beim Oktoberklub mitgebracht und wollte dies natürlich sofort auch zu Hause ausprobieren. Auch wenn es heute einige Leute in Saalfeld anders sehen wollen: Es war die erste öffentliche Disko, die im Provinznest Saalfeld stattfand und die Besucher waren regelrecht begeistert davon. Wenige Tage darauf wiederholte Migo, zwar ohne Erlaubnis der Heimleitung, dafür aber mit wiederum großen Erfolg, diese Disko zur Weihnachtsfeier im Lehrlingswohnheim und auch dies trug dazu bei, daß wieder neue Mitglieder in den Klub kamen. Wolfgang Fiedler, Jürgen Gumpert, Harald Rimpler und Elke Schröder, um nur einige zu nennen. Bernd Roth hatte an der Erweiterten Oberschule Saalfeld auch Werbung für den Klub gemacht und auch von dort kamen neue Mitglieder. Herbert "Hörbie" Müller und Marion Wenzel verstärkten fortan die Truppe. Die Neuzugänge im Klub sollten bald dafür sorgen, dass der Singeklub Maxhütte einen künstlerischen und inhaltlichen Qualitätssprung für die nächsten drei Jahre machen würde…
Auftritt zur Feier des Lehrbeginns am 1. September 1969 im Kulturhaus
Kurz darauf bei einem Auftritt in der POS Unterwellenborn
Fotos von der Teilnahme am “Treffen junger Sozialisten in Berlin. Peter Deistler als Leiter der Maxhütten- delegation und auch der Singeklub erwarten “jubelnd” am Straßenrand irgendeinen hohen Staatsgast…
Bernd Roth - ab September Klubleiter
Auftritt am Unterwellenborner Ehrenmal am Pfaffengrund und Bericht in der Hüttenzeitung
Die politisch-Ideologische Arbeitskonzeption, die Bernd Roth zur Betriebs-Delegiertenkonferenz der FDJ der Maxhütte vortrug…
Migos neues Lied und unser erstes eigenes Liederheft “Schublade”
Auftritt zur großen Singeveranstaltung im Dezember, die kurz darauf neue Mitglieder in den Klub brachte